Platz 1 (Vormonat: 2)
Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer
Aus dem Englischen von Hannes Riffel
Tropen, 320 S., 19,95 €
Ost-Texas, während der Großen Depression. Nachdem May Linns Leiche im Sabine River gefunden wurde, verbrennen ihre Freunde sie und transportieren die Asche den Fluss hinab. Fernziel: Hollywood. Die wilde Flucht der Jugendlichen erinnert an die von Huck Finn und Tom Sawyer, verläuft aber grotesker und brutaler als bei Mark Twain. Lansdale eben.
Platz 2 (Vormonat: 3)
Elmore Leonard: Raylan
Aus dem Englischen von Kirsten Risselmann
Suhrkamp, 308 S., 19,95 €
Kentucky. Ob Nierenhandel, Umweltverbrechen oder Schusswechsel mit einer einarmigen Transe – US-Marshal Raylan Givens bleibt stets gelassen. Mit Gleichmut und schnellem Finger sorgt er für das, was er persönlich für Gerechtigkeit hält. Wie schon in der TV-Serie Justified, jedoch im Buch viel, viel abgefahrener.
Platz 3 (Vormonat: - )
Sara Gran: Das Ende der Welt
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Droemer, 368 S., 14,99 €
San Francisco/Brooklyn. Fünf Gitarren, ein Pokerchip, Schlüssel – schwache Hinweise auf den Mörder von Paul, Claire de Witts Exgeliebtem. Prekäre Autonomie der Detektivin: Claire zerstört sich fast auf der Suche nach Wahrheit, nach dem Kindertraum geliebt zu werden. Kaliforniens Norden: kalt und hip. Gran fasziniert.
Platz 4 (Vormonat: - )
Giancarlo de Cataldo: Der König von Rom
Aus dem Italienischen von Karin Fleischander
Folio, 176 S., 19,90 €
Rom 1976. Machtvakuum in der Hauptstadt. Nicht die Camorra, nicht die Marseiller, keiner hat die volle Kontrolle. Junggangster Libano am Scheideweg: mit Giada, der bourgeoisen Revoluzzerin, in die Boheme oder mit Gewalt ans große Geld? Libano lernt Verbrechen. Ruppiges Vorspiel zu Romanzo Criminale.
Platz 5 (Vormonat: - )
Derek Nikitas: Brüche
Aus dem Englischen von Manfred Roth
Seeling, 328 S., 15,00 €
Cassadaga County, New York. Für 500 Dollar in den Klingelbeutel seiner Kirche rückt Deputy Hartwick eine Adresse heraus. Zwei Tage später sind sechs Menschen ermordet. Nikitas’ Welt: Hier wird schuldig, wer auch nur den Finger rührt. Familienzusammenführung bis zur Katastrophe. Düstere Wucht.
Platz 6 (Vormonat: - )
Cathi Unsworth: Opfer
Aus dem Englischen von Hannes Meyer
Suhrkamp, 384 S., 14,99 €
Ernemouth, Norfolk. Privatdetektiv Sean Ward, im Polizeidienst verkrüppelt, rollt den Fall der »Hexe des Ostens« erneut auf. 1983: Teenie-Rivalitäten eskalieren im Ritualmord. 2003: Alte Säcke verteidigen die lieb gewonnene Macht. Tolles Brit-Stück. Perfekt reanimierte Gothic-Atmo. Unsworth wiederentdeckt.
Platz 7 (Vormonat: - )
Ian Rankin: Mädchengrab
Aus dem Englischen von Conny Lösch
Manhattan, 512 S., 19,99 €
Edinburgh/Rosemarkie. John Rebus kann es nicht lassen. Der Pensionär wühlt in ungelösten Altfällen. Vier Mädchen sind verschwunden, alle an der A 9. DI Siobhan Clarke assistiert halb widerwillig, der Verdächtige will nicht reden, da nimmt Rebus Gangster zu Hilfe. Rankin und Rebus – kommt gut.
Platz 8 (Vormonat: 5)
Madison Smartt Bell: Die Farbe der Nacht
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann,
Liebeskind, 238 S., 18,90 €
Los Angeles, Las Vegas, New York. Manson-Mythos trifft 11. September. Die sexy blutigen Zeiten liegen 30 Jahre zurück. Mae, einzige Überlebende der Family, gibt Karten in Vegas. Als die Türme fallen, fällt die Todesgöttin zurück in antike Blutträume und Rachemuster. US-Gewalt-Metaphysik.
Platz 9 (Vormonat: 9)
Paolo Roversi: Milano Criminale
Aus dem Italienischen von Esther Hansen
Ullstein, 464 S., 19,99 €
Mailand 1958–1971. Vandelli (10) und Santi (14) sind zufällig Zeugen des sensationellen Raubüberfalls an der Via Osoppo. Der eine wird daraufhin Räuber, der andere Polizist. Nach dem Vorbild von Romanzo Criminale: die Geschichte Mailands als Kampf zwischen Staat und Verbrechern.
Platz 10 (Vormonat: - )
P. D. James: Der Tod kommt nach Pemberley
Aus dem Englischen von Michaela Grabinger
Droemer, 384 S., 19,99 €
Stolz und Vorurteil zum Zweiten. P. D. James’ Fortschreibung des Romans von Jane Austen als mystery novel entfaltet stilgenau präviktorianische Wirrnisse. Ein Mord am Vorabend des großen Balls auf Pemberley folgt aus Gentry-Zwängen um 1800: Ein illegitimes Kind darf einfach nicht die Standesehre beschmutzen.
Die KrimiZEIT-Bestenliste ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wochenzeitung DIE ZEIT und des NordwestRadios, einem gemeinsamen Programm von Radio Bremen und dem NDR. An jedem ersten Donnerstag des Monats geben 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben.
Die Jury: Tobias Gohlis, Kolumnist der ZEIT, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, DLF, BR | Gunter Blank, »Sonntagszeitung« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Michaela Grom, SWR | Lore Kleinert, Radio Bremen | Thomas Klingenmaier, »Stuttgarter Zeitung« | Kolja Mensing, »Tagesspiegel« | Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR | Jan Christian Schmidt, »Kaliber 38« | Margarete v. Schwarzkopf, NDR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, Elder Critic, »NRZ«, »WAZ« | Hendrik Werner, »WeserKurier « | Thomas Wörtche, »Plärrer«, »culturmag«, »DRadioKultur«













