Platz 1 (Vormonat: - )
Dominique Manotti: Zügellos
Aus dem Französischen von Andrea Stephani
Argument/Ariadne, 286 S., 18,– €
Paris 1989. Im Osten wankt die Mauer, bei Paris brennen die Pferde. Versicherungsbetrug, Drogenhandel, Rosstäuscherei, Mord – Wirtschaftsbosse und Polit-Amigos hemmungslos im Bereicherungsrausch, gereifte 68er am Ruder. Scharfer Witz und klare Sprache: Manotti.
Platz 2 (Vormonat: 1)
Patrícia Melo: Leichendieb
Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita
Tropen, 208 S., 18,95 €
Corumbá, Grenze Brasilien/Bolivien. Dem namenlosen Icherzähler dieser moralischen Groteske fällt beim Angeln ein Flugzeug vor die Füße. Darin der sterbende Sohn eines reichen Viehzüchters und ein Kilo Koks. Welch ein Glück! Der Angler beginnt zu handeln: mit Stoff, mit Leichen, mit Zukunft. Melo ist Extraklasse.
Platz 3 (Vormonat: 5)
Lavie Tidhar: Osama
Aus dem Englischen von Julia Gräbener-Müller
Rogner & Bernhard, 312 S., 22,95 €
Vientiane/London/New York. Privatdetektiv Joe sucht den Mann, der Osama bin Laden erfand. Plausible Realitätsumkehr: Al-Kaida als Fantasieprodukt eines Serienschreibers. Auf der Suche nach der Wahrheit der Fiktion taumelt Joe wie durch Drogenwelten, gehetzt vom Komitee gegen Gegenwärtige Gefahr KGG.
Platz 4 (Vormonat: 2)
Warren Ellis: Gun Machine
Aus dem Englischen von Ulrich Thiele
Heyne, 384 S., 9,30 €
Manhattan. Detective Tallow entdeckt eine Schatzkammer mit den Waffen aller Serienkiller Amerikas. Der »Jäger« nutzt dieses Arsenal auf seinem eigenen blutbespritzten Kriegspfad: Manhattan den Indianern! Wunschalbtraum des Comicautors Ellis: mit Polizeisirene in die ewigen Jagdgründe! Voll abgedreht.
Platz 5 (Vormonat: - )
Adrian McKinty: Der katholische Bulle
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Suhrkamp, 384 S., 19,95 €
Belfast 1981. DS Duffy, einziger Katholik unter Protestanten, glaubt fest an die Aufklärungspflicht der Polizei. Harter Job im glimmenden Bürgerkrieg. Jagt er Schwulenmörder, IRA-Bosse oder protestantische Paramilitärs? Wem nützt sein Wahrheitswille zuletzt? Duffy blickt durch: angeschossen, aber optimistisch.
Platz 6 (Vormonat: - )
Dror Mishani: Vermisst
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Zsolnay, 352 S., 17,90 €
Cholon, Israel. Inspektor Avraham liebt es, die Fehlschlüsse von Krimidetektiven aufzudecken. Im Fall von Ofer Sharabi, einem verschwundenen Jugendlichen, erfährt er quälend, dass die komplexe Realität auch seinen Ermittlerblick trüben kann. Very sophisticated. Vielversprechendes Debüt.
Platz 7 (Vormonat: 4)
Arne Dahl: Bußestunde
Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt
Piper, 462 S., 19,99 €
Stockholm/Bagdad. Verschwunden: der mächtigste Polizist Schwedens. Entführt: anorektische Frauen. 1 Fall für Paul Hjelm, 1 Fall für die A-Gruppe. Dahl spinnt globales, reißfestes Garn, zwischen Ellroy und le Carré. Zehnter und bester Band um das beamtete Ermittlungskünstler-Kollektiv.
Platz 8 (Vormonat: 9)
Stephen Dobyns: Das Fest der Schlangen
Aus dem Englischen von Rainer Schmidt
C. Bertelsmann, 544 S., 14,99 €
Brewster, Rhode Island. Ein neugeborenes Baby ist weg, die Plazenta auch. Kojoten streifen durch die Gassen, ein Junge trainiert Telekinese. Der Versicherungsdetektiv wird skalpiert. Zwischen Realem, Eingebildetem und Inszeniertem führt Dobyns akrobatische Erzählsprünge vor: Kleinstadthorrorverbrechensvergnügen pur.
Platz 9 (Vormonat: - )
Matthew Stokoe: Empty Mile
Aus dem Englischen von Joachim Körber
Arche, 400 S., 24,95 €
Oakridge, Kalifornien. Weil Johnnie einmal nicht aufgepasst hat, ist sein kleiner Bruder jetzt geistig behindert. Weil diese Schuld nicht getilgt werden kann, ist er wehrlos den Attacken sadistischer Nachbarn ausgesetzt. Mit dem Hammer geschriebene Apokalypse aus dem Land des großen Goldrauschs.
Platz 10 (Vormonat: - )
Hjorth & Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst
Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein
Rowohlt Polaris, 624 S., 14,99 €
Stockholm/Jämtland. Im nordschwedischen Fjäll werden die Leichen von vier Erwachsenen und zwei Kindern gefunden. Beharrlichkeit und Zufall bringen die Reichsmordkommission auf die Spur obskurer Geheimdienstoperationen. Selbst in Schweden treibt der Krieg gegen den Terror grausliche Blüten.
Die KrimiZEIT-Bestenliste ist ein Gemeinschaftsprojekt der Wochenzeitung DIE ZEIT und des NordwestRadios, einem gemeinsamen Programm von Radio Bremen und dem NDR. An jedem ersten Donnerstag des Monats geben 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben.
Die Jury: Tobias Gohlis, Kolumnist der ZEIT, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, DLF, BR | Gunter Blank, »Sonntagszeitung« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Michaela Grom, SWR | Lore Kleinert, Radio Bremen | Thomas Klingenmaier, »Stuttgarter Zeitung« | Kolja Mensing, »Tagesspiegel« | Ulrich Noller, Deutsche Welle, WDR | Jan Christian Schmidt, »Kaliber 38« | Margarete v. Schwarzkopf, NDR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, Elder Critic, »NRZ«, »WAZ« | Hendrik Werner, »WeserKurier « | Thomas Wörtche, »Plärrer«, »culturmag«, »DRadioKultur«













