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Havarie
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In einer windigen Nacht steigen zwölf Männer in ein Boot, versuchen Cartagena zu erreichen. Unter dem hohen Sternenhimmel zieht majestätisch ein Kreuzfahrtschiff dahin. Ein deutscher Frachter verlässt den algerischen Hafen mit Kurs auf Dublin. Und die spanische Küstenwache hält sich bereit. - Ein Meer, vier Schiffe, verschiedene Perspektiven: Merle Krögers Roman ist ein seetüchtiger Actionthriller und ein messerscharfes Porträt Europas.














Havarie
Cartagena – die einen wollen hin, die anderen weg. Den zwölf Männern in dem schmalen Schlauchboot erscheint es als Sehnsuchtsort, die Besatzung des Frachters, die warten soll, bis Hilfe für die Menschen in dem kleinen Boot kommt, will eigentlich weiter, nach Dublin. Vier Schiffe geben sich ein Stelldichein, verschiedene Lebenslinien berühren sich. Das Mittelmeer - Wasser, eigentlich Lebenselixier – bereits Massengrab für Tausende, ist bereit, neue Opfer aufzunehmen.
Ein Luxus-Liner, der bezeichnender Weise den Namen „Spirit of Europe“ trägt, als Synonym für die Festung Europa, in die so Viele wollen. Diese Kleinstadt auf dem Meer, die, einem Spiegelbild der Gesellschaft gleich, alles facettenreich in sich birgt: die Kleinen, Hoffnungsvollen, die aus aller Herren Länder angeheuert werden, um reiche Gäste zu verwöhnen. Bis zum Überdruss haben einige von denen bislang Luxus genossen und nun kaufen sie sich ein paar schöne Stunden mit einem Boy oder verschaffen sich wenigstens ein paar Momente des Nervenkitzels im Bord-Casino. In dem Kosmos, den 3000 Menschen bevölkern, spiegelt sich das Leben der westlichen Konsumgesellschaft, mit all seinen hierarchischen Rollen, die man darin ergattert oder vom Leben zugeteilt bekommt. Und über allem steht drohend „Miami“, dort sitzen die Eigner, denen oder vermutlich deren Shareholder Value man zu dienen hat.
Und andernorts ist Alles derart hoffnungslos, dass Menschen das Letzte, das sie noch haben, nämlich ihr Leben, riskieren, um nach Europa zu kommen. Als das Schlauchboot auftaucht, bedeutet das für einige Gaffer an Bord eine willkommene Abwechslung. Was machen die da, fragt ein kleines Kind seine Mutter. Siehst du nicht, die baden. Und was anderes sieht sie nicht, denn der Kleinen fehlt (noch) der Kontext. Der der jahrhundertelangen Ausbeutung eines gesamten Kontinents.
„Havarie“ ist eine Parabel auf unsere Gesellschaft, ein kluger Roman und mit Spannung zu lesen. Als Print erschienen im Argument-Verlag und als E-Book bei CulturBooks. Im Monat Juni 2015 auf Platz 1 der KrimiZeit-Bestenliste.