Cover von: Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten

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Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten

Roman
Buch
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3351035683

ISBN-13: 

9783351035686

Auflage: 

2 (10.03.2014)

Preis: 

17,99 € (bei Erscheinen)
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 2.212.315
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3351035683

Beschreibung: 

»Wenn man die Chance hat, nichts zu tun, sollte man sie immer ergreifen.« Schräg, witzig, intelligent und auch noch ein herrliches Krimi-Roadmovie - das ist »Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten«. Daniel Friedman schickt hier einen 87-jährigen Cop im Ruhestand noch einmal auf Jagd. Dass Buck Schatz, so heißt unser Held, ein Weltkriegsveteran ist, in deutscher Kriegsgefangenschaft war und als Jude besonders übel misshandelt wurde, ist wichtig - denn der Mann, den Buck Schatz sucht, heißt Heinrich Ziegler, ist Nazi und hat ihn damals gequält. Buck Schatz, jüdischer Ex-Cop über 80, auf der Suche nach einem Nazi und seinem Gold Schatz, der davon ausging, dass Ziegler längst tot ist und in der Nazihölle schmort, erfährt von einem ehemaligen Kameraden an dessen Totenbett, dass Ziegler noch lebt - und das vermutlich unter falschem Namen irgendwo in den USA. Widerwillig nur ging Schatz überhaupt ins Krankenhaus, um seinen Kumpel Jim Wallace zu besuchen - denn Buck ist ein echter Griesgram, nörgelig, sarkastisch, meist beleidigend ehrlich und wenn er keine Lucky-Strike-Zigaretten in der Tasche hat, wird der Kettenraucher wirklich sauer. Sein Motto: »Wenn man die Chance hat, Nichts zu tun, sollte man sie immer ergreifen.« Wie gut, dass es da auch noch Rose Schatz als ausgleichendes Element gibt. Sie schafft es meist, sich Bucks Gezeter anzuhören, um dann, milde lächelnd, doch ihren Willen durchzusetzen, oder sie entschuldigt sich für ihn, wenn er es selbst für seine Verhältnisse übertrieben hat mit der Beschimpfung seiner Mitmenschen. Alte Rechnungen, offene Schulden und der israelische Geheimdienst Okay, Nazi-Ziegler lebt also irgendwo in Amerika. Das ist schon mal eine Nachricht, die auch Buck Schatz nicht kaltlässt. Doch es gibt noch einen weiteren, durchaus nicht uninteressanten, Anreiz: Goldbarren, viele Goldbarren, Nazigold. Jim Wallace hatte Ziegler nach Kriegsende bei einer Straßensperre aufgehalten - der Mercedes sah aus wie tiefergelegt wegen der schweren Fracht. Leider ließ sich Jim von Ziegler mit einem dieser Barren bestechen - und entkam. Was Buck noch nicht weiß: Auch Jims Familie - Tochter Emily und ihr Gatte Norris Feely, ein geldgieriger Widerling, sind hinter dem Gold her. Weiter scharf auf das Gold sind Reverend Dr. Lawrence Kind, der der Versuchung des Glücksspiels anheimgefallen ist und verdammt hohe Spielschulden bei diversen Casinos hat, und, da ist sich Buck Schatz sicher, auch noch Jizchak Steinblatt, ein zwei Meter großer Russe, der angeblich vom israelischen Ministerium für Angelegenheiten der Diaspora kommt und bei Buck und Rose Schatz in der Küche sitzt. Buck macht sich einen Spaß daraus, ihn »Yid's Kack« zu nennen und glaubt ihm nicht, dass er hier ist, um besondere Bindungen zwischen den Juden in Amerika und denen in Israel zu pflegen. Bestimmt kommt er vom israelischen Geheimdienst ...

Nicht vergessenwerden soll der schmierige T. Addleford Pratt, Inkassodirektor und höchst interessiert an der Schuldenerstattung von Reverend Kind. Der liegt nämlich inzwischen mausetot und blutüberströmt in seiner Kirche und hat Addleford Pratt an Buck verwiesen. Er hätte einen Haufen Nazigold...

Und diese Leiche wird nicht die einzige bleiben. Die Spur führt nach Missouri: Buck und sein Enkel Tequila machen sich auf den Weg Das kann ja heiter werden, denn von Heinrich Ziegler und dem Gold fehlt Buck noch jede Spur. Da trifft es sich gut, dass Bucks Enkel William, genannt Tequila, zu Besuch kommt. Gemeinsam versuchen sie nun, Zieglers Fährte aufzunehmen. Tequila mit allen modernen Netzwerkmöglichkeiten, von denen Buck nichts wissen will und sie »das Google« oder »Googles« nennt - und Buck mit seinen Netzwerken wie dem Jewish Community Center und natürlich einer messerscharfen Kombinationsgabe. Zwar muss sich Tequila so manchen Spruch seines »Pops« anhören, aber er ist schließlich ein echter »Schatz« und hart im Nehmen. Natürlich schaffen es die beiden, Ziegler aufzuspüren - und machen sich mit dem Wagen auf den Weg zu ihm Richtung Missouri. Und hier fängt das eigentliche Abenteuer erst an ...

Kriminetz-Rezensionen

Cooler Sound aus dem Altersheim

Manchmal ist der Sound eben alles – oder zumindest fast alles. Und unter diesem Gesichtspunkt sei an dieser Stelle eingestanden, dass Daniel Friedmanns im Aufbau Verlag erschienener Kriminalroman Der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten, für mich bisher zu den positivsten Überraschungen des noch recht jungen Krimijahrs zählt.

Zugegeben, auch die Idee ist originell. Buck Schatz, knapp 90-jähriger ehemaliger Detektiv des Morddezernats in Memphis/Tennessee, jagt mit seinem Enkel Tequila einem Nazi-Goldschatz hinterher. Der ehemalige SS-Kriegsgefangenenlagerkommandant Ziegler, der Schatz vor Jahrzehnten misshandelt und beinahe getötet hat, soll am Leben sein und immer noch über einen immensen Goldschatz verfügen. Schnell spüren Buck und sein Enkel den Nazi auf. Und es ist nur eine gerechte Strafe der Zeit, dass Ziegler inzwischen in einem Altersheim an Demenz leidend dahinsiecht. Allerdings ruft das Gold viele dubiose Gestalten und Neider auf den Plan und schnell gibt es die ersten Toten. Auch Schatz und sein Enkel geraten in Gefahr, wissen sich aber tatkräftig zu wehren, bis sie endlich in dem Dickicht aus MOSSAD und korrupten amerikanischen Polizisten zu erkennen glauben, wer ein Freund und wer der Feind ist.

Das Innovative an Friedmanns Kriminovität ist wie gesagt der Sound: schnoddrig – cool – abgeklärt – lakonisch – zynisch lauten nur die ersten Assoziationen, die sich mit ihm verbinden. Zudem vermittelt die Ich-Erzählung des Protagonisten Buck Schatz einen profunden Eindruck in das Leben eines knapp 90-jährigen. Ohne Selbstmitleid und aufgetragenes Pathos. Dafür mit einer zynisch-lakonischen Abgeklärtheit von Jemandem, der genug im Leben gesehen hat, um sich kein X für ein U vormachen zu lassen. Richtiggehend sympathisch ist zudem, dass Buck ein Mensch ist, der die meisten seiner Mitmenschen nicht wirklich mag und dies auch unumwunden zum Ausdruck bringt. Die Darstellung der Verhältnisse von Judentum und evangelikalem Christentum sowie USA und Israel verleihen dem Roman eine nicht uninteressante tiefergehende kulturell-religiöse Dimension. Und über allem steht wie erwähnt der imposante Stil, der den Leser beinahe zwingt, Seite für Seite zu verschlingen. Den macht Friedmann so schnell keiner nach. Und so bleibt inständig zu hoffen, dass der Alte, dem Kugeln nichts anhaben konnten, auch im kommenden Jahr noch Ermittlungen vom Altersheim aus zu führen in der Lage ist.