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Wenn der Mond stirbt
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Schauplatz Nairobi. Eine junge Frau wird tot in einem Abflusskanal gefunden. Sie gehörte zur Volksgruppe der Massai. Ein Fall für den Polizisten Mollel, ebenfalls Massai und ein eigenwilliger, sympathischer Ermittler. Eigentlich ist er bei der Polizei in Ungnade gefallen. Doch nun holt man ihn zurück, denn der Fall ist brisant. Es scheint Verbindungen zu korrupten Politikern und einem einflussreichen Prediger zu geben. Mollel gerät in ein Dickicht aus Vertuschung und Gewalt und ist vor allem zu einem entschlossen: sich nicht korrumpieren zu lassen.














Als der Mond dunkel wurde
Ich lese gerne Krimis, die in Ländern handeln, in denen ich selbst noch nicht war und in die es mich in diesem Leben vermutlich auch nicht mehr hinführen wird. Der Krimi mit dem lyrisch anmutenden Titel „Wenn der Mond stirbt“ entführt die Leser nach Kenia. Er beginnt mit einer alten Massai-Sage, der der Titel entlehnt wurde. Der Handlungszeitraum liegt in den Tagen vor und nach dem Präsidentschaftswahlkampf Ende Dezember 2007. In den Slums von Nairobi kam es wegen des Vorwurfes manipulierter Wahlen zu erheblichen Ausschreitungen, in denen sich bereits länger schwelende Spannungen Bahn brachen
Polizist Mollel gehört einer ethnischen Minderheit der Bewohner dieses Landes an, den Massai. Er soll gemeinsam mit seinem Kollegen Kiunga den Mord an einer jungen Frau aufklären, deren hässlich zugerichtete Leiche in einem Abwasserkanal gefunden wurde. Wer hat die junge Frau so brutal zugerichtet? War sie das Opfer einer späten Beschneidung?
Es wird ein Bild von Nairobi gezeichnet, wie man es als Tourist vermutlich nicht zu Gesicht bekommt, denn der Autor Richard Crompton lebt mit seiner Familie selbst in Narobi und kann deshalb so ganz andere Einblicke in den Alltag dort geben. Man bekommt beim Lesen den Eindruck, in der pulsierenden Lebendigkeit der Straßen findet man sich nur mit Insiderwissen zurecht.
Wieviel vom Verhalten eines Massai steckt noch in Mollel, der schon so lange in der großen Stadt lebt? Absichtlich beigefügte Wunden, die ein bestimmtes Narbenmuster ergeben, verweisen auf die jeweilige Stammeszugehörigkeit. Das grausame Ritual der Genitalverstümmelung, das eine Eliminierung der weiblichen Sexualität ist, erklärt die Frauenärztin Wanjiku, die selbst dem Stamm der Kikuyu angehört, mit dem Machtgefüge innerhalb der Gesellschaft. „Ach was, Tradition! Sie tun es wegen der Macht.“ Mollel stößt im Laufe seiner Ermittlungen auf diese Frauenärztin. In welcher Verbindung steht sie zu illegalen Adoptionen, bei denen den Gebärenden sofort nach der Geburt das Kind weggenommen wird? Hat man auch der Getöteten vorgegaukelt, ihr Kind sei tot und sie hat es nicht geglaubt und wollte es zurück haben?
Das Mordopfer gehörte einer „Erweckungskirche“ an, welcher der Ehemann der Frauenärztin vorsteht, der Wunder an Schwerkranken auf der Bühne bewirkt. Plausibel und nicht ohne Humor schildert der Autor, wie solche „Wunder“ zumindest vorübergehend bewirkt werden.
Die Vorbereitungen zur Wahl treten im Verlauf der rasanten Erzählung immer stärker in den Vordergrund, in den Slums häufen sich die Unruhen. Die Stimmung wird zunehmend hitziger. Mollel und Kiunga kommen im Rahmen ihrer Ermittlungen einem großen Betrug auf die Spur.
Da ist noch die Szene im Auto zum Flughafen, in welcher der Autor saturierte Wohlstandstouristen mit ihren vorgefassten Meinungen vorführt, deren Ansichten darin kulminieren „Wir sollten einfach die Leinen kappen und sie alleine machen lassen.“
Die in den Roman eingestreute Fabel des Honiganzeigers wird auf Mollel übertragen. Was bleibt ihm, als sein eigener Sohn in großer Gefahr ist? Er hat schon seine Frau bei einem Terroranschlag verloren, viele Mitglieder seiner Familie leben irgendwo, Genaueres weiß er nicht. „So kommt es dazu, dass du vor lauter ohnmächtiger Wut töten willst.“
Ein spannender und sehr lesenswerter Kriminalroman, der auch erzählt von Menschen, die vom Herkunftsdorf in die Stadt ziehen und dabei ihre Traditionen hinter sich zu lassen versuchen, von einem Land, das eine Geschichte als Kolonialland hinter sich hat und von einer Gesellschaft, die sich finden muss.